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Das Elternhaus neu nutzen

Optimieren statt maximieren war das Credo von Verena Lubini beim Um- und Ausbau ihres Elternhauses. Dieses sollte künftig so ökologisch wie möglich sein und drei separate Wohnungen umfassen.

Auf dem Dach spriesst die «Stadtzürcher Dachbegrünungsmischung». Verena Lubini, die sich als Expertin für Gewässerökologie einen Namen gemacht hat, legte beim Umbau ihres Elternhauses Wert auf eine ökologische Lösung, die aber auch wirtschaftlich sein musste. Die Dachbepflanzung schützt ihr Haus, das seit der Sanierung das Minergie-Label trägt, noch besser vor Wärmeverlust und Sommerhitze.  

«Vieles im Innern trägt noch den Charme des alten Elternhauses»

Den Garten erhalten

Nachdem die Mutter ins Pflegeheim zog, stellte sich die Frage, wie weiter mit dem Haus, das ihre Eltern in den frühen Vierzigerjahren im damals ländlichen Witikon gebaut hatten. Heute gehört das Quartier längst zu den begehrteren Wohnlagen der Stadt Zürich. Für eine alleinstehende Person wie Verena Lubini war die Liegenschaft zu gross – auch wenn sich darin noch ihr Büro und das Labor befindet. Verkaufen? Abreissen und durch ein grösseres Mehrfamilienhaus ersetzen, wie das ringsum passiert? Entsprechende Pläne lagen vor, doch Verena Lubini entschied sich dagegen. Das Projekt wäre eine Nummer zu gross gewesen, auch finanziell. Ihr lag zudem viel daran, ihren Garten zu erhalten, der rückseitig stufenartig abfällt und ein eigentliches Juwel der Artenvielfalt ist.

Architektur MFH Lubini-Online_3_RGB.jpg Reportage MFH Lubini-Online_3_RGB.jpg Reportage MFH Lubini-Online_2_RGB.jpg

Einbau von neuen Wohnungen

Verena Lubini wollte das Haus künftig nicht alleine bewohnen und den Umbau selber finanzieren können. Die Mieteinnahmen sollten deshalb die Hypothekarkosten decken und zu ihrer Rente beitragen, da sie nun im Pensionsalter ist. Gemeinsam mit dem auf nachhaltige Architektur spezialisierten Büro «kämpfen für architektur» entstand der Plan, den Dachstock durch einen Holzbau mit Flachdach zu ersetzen. Aus der kleinen Mansarde wurde eine grosszügige Familienwohnung. Im hangseitigen Untergeschoss entstand ein Studio. Die von der Hauseigentümerin bewohnten Räume im Parterre blieben in ihrem Grundriss unverändert.

«Eine Lieferung Holzpellets reicht pro Jahr»

Bessere Konditionen mit Minergie

Der Impuls für eine hochwertigere energetische Sanierung nach dem Minergie-Standard kam von aussen: Die Bank offerierte bessere Konditionen. Zusammen mit den Förderbeiträgen aus dem Gebäudeprogramm machte sich der Zusatzaufwand für die Zertifizierung bezahlt. Die Energiekosten sind seit der Sanierung deutlich gesunken: Eine Holzpellets- ersetzt die Ölheizung und Solarpanels sorgen zusätzlich für Warmwasser. «Eine Lieferung Holzpellets reicht pro Jahr», stellt Verena Lubini zufrieden fest. Beim Nachbarn, der auch mit erneuerbarer Energie heizt, dessen Haus aber nicht gedämmt ist, fahre der Transporter mindestens zweimal pro Jahr vor.

Geschätzter Komfort

Verena Lubini schätzt auch den höheren Komfort, ganz besonders im Sommer. Dank der guten Dämmung des ganzen Hauses und der Beschattung der grossen Südfenster gelangt die Hitze gar nicht erst ins Haus, und im Winter bleibt die Wärme drinnen. Besonders gut gefällt ihr die Kombination aus alt und neu: «Vieles im Innern trägt noch den Charme des alten Elternhauses». Von aussen hingegen sieht die Liegenschaft mit der eleganten grauen Holzfassade und den roten Fensterfassungen topmodern aus.

 

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Massnahmen Gebäudehülle

Dach/Terrasse Flachdach Holzbalkendecke, 180 mm Mineralwolle / Steinwolle
Fassade/Aussenwand Mauerwerk, 200 mm Mineralwolle / Steinwolle
Estrichboden, Kellerdecke/Boden EG Betonboden zu Keller, 120 mm Mineralwolle / Steinwolle
Fenster Vor der Erneuerung: Fenster mit Doppelverglasung nach 1985
Nach der Erneuerung: Fenster mit Dreifachverglasung

Massnahmen Gebäudetechnik

Heizung Vor der Erneuerung: Ölheizung
Nach der Erneuerung: Pelletheizung
Warmwasser Vor der Erneuerung: Elektroboiler 
Nach der Erneuerung: Elektroboiler mit externer Wärmezufuhr z.B. Solar
 

Wirtschaftlichkeit

Investitionen der Erneuerung ~ CHF 173'500
Förderbeiträge inkl. Steuerabzüge ~ CHF 54'800
Eingesparte Energie- und Betriebskosten (Barwert) ~ CHF 76'600

Berechnungsgrundlage: Grobe Schätzung Fachperson.

Jährlicher Energiebedarf

Vor der Erneuerung ~ 150,0 kWh / m2 EBF
Nachher ~ 26,0 kWh / m2 EBF

Berechnungsgrundlage: Schätzung aufgrund U-Wert Berechnung Einzelbauteile